Was lange währt…

Schon viel zu lange existiere ich. Wenngleich mein Leben nicht überdurchschnittlich lang gewesen ist, so ist es mein Tod. Denn er hat mich für eine Ewigkeit an diese Welt gebunden. Ein Dasein welches das Verblassen des Seins durch den Tod überwunden hat. Obgleich meine Person den Tod überwunden hat, so ist der Tod mein Begleiter. Eine Ewigkeit in der ich Höhen und Tiefen der Menschlichkeit miterlebt habe.

Ich habe gesehen wie Reiche entstanden und zerstört wurden, wie Könige zu Göttern wurden, wie Länder zum Leben erblüht sind und wieder dem Boden gleichgemacht wurden, wie ganze Völker von Krankheiten und einander dahingerafft wurden. Ich habe in meiner ewigen Existenz schon vieles gesehen.

Mein ewiges Leben war nach der Auferstehung als Untoter nicht leicht, der Durst nach Blut – dem Lebenselixier der Menschen – hatte mich Jahrzehnte lang unter Kontrolle. Nach einem halben Jahrtausend konnte ich mich beherrschen, nach zwei Jahrtausenden hatte ich eine andere Lösung als Blut um mich zu stärken und die Dunkelheit in mir zu kontrollieren. Die Form des Untoten in der ich mich befinde wird von vielen als Vampir bezeichnet. Viele Alchemisten denken auch heute noch das Vampirismus eine heilbare Erkrankung ist, wie falsche sie doch liegen.

Ein Vampir gehört nicht mehr zu den Lebenden und ist somit auch vor den menschlichen Nöten und Gebrechen gefeit. Jedoch auch starke Gefühle wie Liebe, Freude und Glück müssen neu erlernt werden und sind mit menschlichem denken nicht zu begreifen. Die Gefühle die ein Vampir empfindet sind etwas gänzlich Anderes und doch lassen sie sich nur mit menschlichen Gefühlen vergleichen.

Menschen haben in ihrem kurzen Leben ein Ziel. Einen Traum für den sie Leben und den sie in ihrer Lebenszeit erreichen wollen. Doch was tut eine einsame Existenz, wenn die Zeit auf dieser Welt für sie nicht begrenzt ist. Welche Bedeutung haben dann Träume und Ziele. Werden diese Träume geschmälert, allein durch das wissen das sie durch Geduld und Penetranz in jedem Falle erreicht werden können und sie kein zeitliches Verfallsdatum besitzen?

Viele meiner Art suchen aus diesem Grund die Nähe zu den Menschen um die Lebensspanne der Sterblichen als die der Ziele zu benutzen.

Ein Zusammenleben von Menschen und Vampiren ist jedoch seit Anbeginn schwierig. Die Form des magischen Untoten der sich von dem Blut eines Menschen ernährt hatte für viele schon immer etwas Romantisches. In Wirklichkeit jedoch ist es barbarisch und hat mit den Liebesgeschichten von denen man lesen kann normalerweise nichts zu tun. Denn der Vampir sieht sich als das Raubtier an und der Mensch ist seine Beute. Er dient nur zum Überleben.

In vielen Regionen dieser Welt wurden die Vampire zum größten Teil ausgerottet. Ein wilder Vampir hat gegen eine Menschengruppe keine Chance. Anders sieht es bei Vampiren aus die über Jahrhunderte lang darin geübt sind den Blutdurst und die Blutraserei unter Kontrolle zu haben. Diese lassen sich nahezu überhaupt nicht von normalen Menschen unterscheiden und sind auch einer Menschengruppe im Kampf bei weitem überlegen.

Diese Art von Vampiren ist jedoch im Stande komplexere Gedanken zu fassen als die Überlegung wie man den nächsten Menschen am besten aussaugen kann. Die sogenannten höheren Vampire tarnen sich vorzugsweise anstatt sich immer und immer wieder auf offene Konfrontationen einzulassen, wobei es immer Ausreißer gibt.

Genau diese Ausreißer sind meine Aufgabe. Ich bin ein sogenannter Wächter des inneren Vampirrings. Dieser stellt einen Zusammenbund der Vampirgemeinschaft dar, der sich um die Tarnung der Vampire kümmert.

Wilde Vampire werden von den Menschen ohne Probleme beseitigt und werden meist als verrückt oder krank klassifiziert. Die höheren Vampire jedoch müssen anders beseitigt werden, ebenso ihre Spuren.

Dies ist die Aufgabe der Wächter. Diese suchen nach Gerüchten oder Nachrichten die bei Morden von höheren Vampiren auftritt. Die Aufgabe besteht darin den höheren Vampir zu eliminieren und die Spuren zu verwischen, dass die Menschen die Morde nicht mehr mit Vampiren in Verbindung bringen.

Wenn man von einer Vampirgemeinschaft spricht, dann ist nicht von einem Stuhlkreis die Rede in der jeder ein Tässchen voll Blut schlürft.

Die Kommunikation verläuft überwiegend über Briefe bzw. Orte an denen Nachrichten hinterlassen werden. Treffpunkte an denen sich eine größere Anzahl Vampire trifft gibt es nur selten.

Aufgrund meiner langen Lebensspanne kenne ich mich in den größten Teilen der Welt aus und habe schon mehrere tausend Vampire zur Strecke gebracht. Zu den Wächtern gehöre ich jedoch erst seit kurzer Zeit. Vor zweitausend Jahren bin ich ihnen erst beigetreten, davor habe ich mich komplett aus den Angelegenheiten der Vampire herausgehalten und meistens für die Dauer von einer Lebensspanne in verschiedenen Dörfern gewohnt.

Doch zu dem Zeitpunkt meines Beitritts gab es eine Krise in der die Identität nahezu komplett aufgedeckt wurde. Das wäre ein Problem was jeden Vampir betreffen würde. Daher haben sich zu diesem Zeitpunkt viele der alten Vampire den Wächtern angeschlossen.

Dies war auch der Zeitpunkt in dem eine komplette Stadt zum Wohle der Geheimhaltung eliminiert werden musste, doch dies ist eine andere Geschichte.

Ich werde einige meiner Geschichten erzählen, vielleicht bin ich später bereit auch diese mit euch zu teilen.

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