Kapitel 7: Auf eigene Faust

Robert schlug am Morgen die Augen auf und starrte die Decke an. Der Traum hatte ihn aufgewühlt. Alles hatte sich so real angefühlt. Es war als hätte er dem Teufel gegenübergestanden. Robert hat seine Anwesenheit gefühlt. Der Gnom setzte sich auf die Bettkante und dachte darüber nach, dass er hier immer komische Träume hatte. Sie fühlten sich anders an.

Robert erhob sich, er trat an das Fenster und überblickte die Stadt. Es schneite. Nach der Schneemasse zu urteilen die auf Dächern und dem Boden lag hatte es die ganze Nacht geschneit.

Für Robert wurde es langsam brenzlig, er war klein und hatte keine Lust im Schnee einzusinken.

Nachdem er sich frisch gemacht hatte verließ er sein Zimmer. Robert wollte nur eine Kleinigkeit frühstücken, aber als er den Schenkenbereich betrat sah er die Katze.

Langsam ging er zu ihr und setzte sich neben sie. Die beiden grüßten sich, Robert fiel auf das er gar nicht ihren Namen kannte und fragte unverblümt nach. Ihr Name war Samea Tarek. Robert fand diesen Namen exotisch und fragte wo sie herkam.

Sie beschrieb ihm eine Küste weit südlich von Hochgrund. Samea traf hier eine Freundin. Beide kamen jedes Jahr um den Wintertag herum hierher und besuchten den Jahrmarkt. Ihre Freundin wohnte in Hochgrund, übernachtete für die Tage allerdings bei ihrer Schwester in Tieftor. Robert nickte und bekam in dem Moment von Herrn Schorchel ein Brockenbrot.

Die beiden unterhielten sich noch ein wenig, doch nach einiger Zeit musste Samea gehen. Sie wollte mit ihrer Freundin ein Museum außerhalb besuchen. Sie verabschiedeten sich voneinander, anschließend aß Robert in Ruhe auf.

Er wollte danach zum Nachdenken ein wenig über den Jahrmarkt laufen, hoffentlich würde er einige gute Einfälle bekommen. Robert trat ins Freie. Es war noch weiter abgekühlt und die Luft war beißend kalt.

Robert begann zu laufen, wohin wusste er noch nicht. Mittlerweile hatte er so viel herausgefunden, dass er nicht mehr komplett wusste wo ihm der Kopf stand. Robert stapfte durch den Schnee, er schaute gedankenverloren umher und er stoppte vor dem Jahrmarktseingang.

Zwei große Stierwesen spannten eine riesige Feuerkette über den Eingang. Robert musterte die beiden Wesen. Selten hatte er so große Gestalten gesehen. Sie waren so groß, dass sie ohne Leiter mit hoch gestreckten Armen die Enden der Kette, an den Balkonen der ersten Etage der Häuserreihen, feststeckten. Robert verknüpfte das beobachtete mit dem Mordfall.

Ein so großes Wesen hätte die Möglichkeit dem Mordopfer die Nadel von oben reinzurammen. Vielleicht war es ein Stierwesen. Robert versuchte sich den Mordverlauf vorzustellen. Bei dieser Vorstellung hielt er wieder inne. Stiere besaßen Hörner. Die männlichen hätten ausgeprägtere als die weiblichen. Robert wurde mehrfach auf Hörner hingewiesen. Ein Stierwesen als Verkörperung des Teufels? Das würde den Dreizack erklären und die Hörner.

Robert war sich dennoch nicht sicher. Er konnte sich immer noch nicht die runden Fußspuren erklären. Stierwesen hatten nicht solch riesige Hufe, außerdem kannte Robert keine runden Schuhe. Das nächste Problem war, dass die Spuren nur einmal vorhanden waren. Also nur ein Weg hin oder nur ein Weg zurück. Robert hatte sich über die Fußspuren nur flüchtige Gedanken gemacht. Dennoch war er zufrieden mit sich, bisher war er mit dem Fall gut vorangekommen.

Er versuchte seinen Tag zu planen. Vielleicht wäre es eine gute Idee nochmal in den Wald zu gehen, diesmal bei Tageslicht. Jedoch sollte er jemanden informieren, nur für alle Fälle. Erst jetzt bemerkte Robert, dass er ganze Zeit vor den Stierwesen stand und ihnen zuschaute. Diese waren fertig mit ihrer Arbeit und eines der beiden beäugte Robert misstrauisch.

Der kleine Gnom machte sich schnell daran weiterzukommen und stapfte leicht nervös durch den Schnee Richtung Jahrmarkt. Je länger Robert darüber nachdachte, desto besser gefiel ihm seine Idee den Wald erneut zu besuchen. Bei Tageslicht konnte ja nicht viel passieren sagte er zu sich. Robert entschloss sich dazu Herrn Schorchel Bescheid zu geben.

Er ging eine Runde über den Jahrmarkt, überall wurden Fackelstellplätze aufgestellt. Es gab auch einige Feuerketten, die mit kleinen brennenden Hohlräumen funktionierten. Die Standbetreiber arbeiteten schon auf Hochtouren und waren am Vorbereiten. Je näher der Wintertag rückte, desto schöner wurde der Jahrmarkt.

Als Robert sich das meiste angeschaut hatte ging er zurück zum „rostigen Anker“. Er sah einige Kinder im Schnee herumtoben, während er zurücklief. Bevor er in die Herberge eintrat wollte er noch einmal nach Winnifred schauen. Das Einhorn wartete brav in seinem Stallplatz. Robert führte seine Routine durch – streichelte kurz sein Reittier und überprüfte den Futtertrog.

Anschließend betrat er die Herberge. Der Pinguin watschelte hektisch umher, um seinen Körper eine Feuerkette geschlungen. Der Vogel schaffte es nicht sich zu befreien. Robert half ihm ohne groß darüber nachzudenken. Zusammen schafften sie es die Feuerkette und den Pinguin zu trennen. Es war schwieriger als gedacht, denn Herr Schorchel zappelte aufgeregt.

Der Vogel erklärte ihm, dass er seine Herberge damit schmücken wollte. Er quiekte aufgeregt dabei. Man merkte sofort, dass es ihm Freude bereitete sein Gasthaus zu schmücken.

Herr Schorchel sagte allerdings auch, dass er zu klein wäre sich darum zu kümmern. Robert kam sofort Bartolomäus in den Sinn. Der große Mensch könnte ohne Probleme dabei helfen. Herr Schorchel fand den Vorschlag toll, er kannte den Arzt und verstand sich gut mit ihm. Als der Pinguin sich zum Gehen wand kam die Katze herein.

Robert verwarf seine Pläne. Er würde es Samea erzählen. Er winkte die Katze zu sich, als sie bei ihm war erklärte er kurz was er vorhatte. Sie nickte nur, verstand aber die Zusammenhänge nicht.

Robert verabschiedete sich von ihr und ging die Treppe hoch in sein Zimmer. Bevor er aufbrach musste er einige Dinge einpacken. Als er oben war ging er zu seinem Schrank und holte ein Taschenmesser hervor, welches er sich einsteckte. Robert schaute aus dem Fenster und atmete tief durch. Dann nahm er sich seinen wärmsten Mantel und verließ sein Zimmer.

Das Ziel stand fest – auf in den grusligen Wald! Robert stapfte durch den Schnee. Er wollte den Wald an Bartolomäus‘ Haus betreten. Roberts Befürchtung einzusinken trat nicht ein.

Viele Wesen huschten an ihm vorbei, die meisten strömten Richtung Jahrmarkt. Robert entschloss sich dazu kleinere Gassen zu nehmen. Er kannte das Dorf mittlerweile gut. Die kleinen Gassen wirkten nur wenig einladend und Robert wollte sie schnell passieren. Er war gerade inmitten einer der engen Gassen, als er ein komisches Gefühl hatte. Dieses Gefühl ähnelte dem Gefühl das er im Wald hatte – fast so als wäre da jemand.

Robert drehte sich um, er wollte seinem Geist Klarheit verschaffen. An der Gasseneinbiegung sah er für einen Augenblick ein rotes Augenpaar das ihn anblitzte. Dazu ein paar kurze Hörner. Es war ein Stierwesen nur kleiner und mit eher weiblichen Zügen. Stierwesen würden dieses Wesen Kuh nennen.

Als Roberts Blick den des weiblichen Stierwesens traf verschwand diese. Robert rannte zu der Stelle an der sie zuvor stand. Als er dort ankam war niemand da. Zum Glück bedeckte eine Schneedecke den Boden. Robert folgte den Spuren, dabei lief er so schnell wie er konnte. Dies war für den kleinen Gnom jedoch schwierig, denn es kostete viel Energie sich mit den kurzen Gnombeinen im Schnee fortzubewegen.

Nach wenigen Biegungen verliefen sich die Fußspuren. Robert trat verärgert etwas Schnee weg, er brauchte einen Moment um wieder zu Atem zu kommen. Die Frage war ob es Sinn machte die Frau weiterzuverfolgen. Wahrscheinlich war sie jetzt schon über alle Berge.

Robert straffte sich, er beschloss seinen Plan weiter zu verfolgen. Er ging die Gassen zurück, darauf bedacht sich regelmäßig so unauffällig wie möglich umzudrehen. Robert war nun viel aufmerksamer, er beobachtete die Hütten und schaute durch einige Fenster.

Er suchte verdächtige Dinge fand aber nichts. Er bog jetzt von einem kleinen Weg auf den Hauptweg ab. Diesen ging er bis zum Ende und betrat die letzte kleine Abbiegung. Robert ging nicht den gewohnten Weg zum Haus des Arztes. Er bog wieder ab und verließ damit den Weg, dann schritt er hin zum Wald.

Der Waldboden selbst war nur an wenigen Stellen mit viel Schnee bedeckt. Die größte Fläche war nur leicht bedeckt oder komplett frei. Gigantische Bäume fingen die Schneemassen größtenteils auf. Der überwiegende Anteil bestand aus Tannen und Nadelbäumen. Robert war vorsichtig und bewegte sich nur bedacht in dem Wald umher. Er wollte nicht noch einmal kalt erwischt werden. So schaute er umher und schenkte jedem Geräusch Bedeutung. Dieses Mal lief er nicht wie beim letzten Mal geradeaus, sondern lief in den größeren Teil des Waldes hinein.

Mit seinem Taschenmesser ritzte er ein G in einige Bäume, damit er eine Möglichkeit hatte den Weg zurück zu finden. Robert bemerkte, dass sich Nebel bildete, außerdem wurde es schnell dunkel. Die großen Bäume nahmen viel Licht weg.

Robert war aufgeregt, er hoffte hier mehr Antworten zu finden. An einer kleinen Lichtung stoppte er, die freie Fläche war mit Schnee bedeckt. Darauf sah er etwas, was ihm ein Lächeln ins Gesicht trieb. In dem Schnee waren Spuren zu sehen – Fußspuren. Sie ähnelten denen, die Robert am Tatort gefunden hatte. Sie waren rund, allerdings waren hier verschieden große Abdrücke zu sehen.

Robert durchschritt langsam die Lichtung. An der Stelle an der, der Schnee aufhörte, konzentrierte sich der Gnom. Er versuchte Hinweise auf dem Waldboden zu finden.

Tatsächlich, nach einigem Suchen fand Robert eine Stelle an der platt getretener Boden zu erkennen war. Mit dieser Methode folgte er dem unbekannten Wesen, Platt getretener Boden, abgeknickte Pflanzen und zerbrochene Äste die auf dem Boden lagen führten Robert weiter. An manchen Stellen verzweifelte er fast, teilweise dauerte es ewig bis er die nächste Stelle fand.

Robert lief so wohl einige Stunden. Es wurde immer dunkler und Robert fiel es immer schwerer die gegebenen Hinweise zu erkennen. Ihm war kalt und er fühlte sich wie gefroren. Seine Hände zitterten, wenn er die Erde nach Hinweisen abtastete. Der Gnome kniete gerade und schaute sich einige zerbrochene Äste an.

Er wollte aufstehen, als er nach oben schaute sah er ein rotes Augenpaar nur einige Meter von ihm entfernt. Robert fasste fest sein Taschenmesser und konzentrierte sich auf das Wesen vor sich. Den Umrissen zufolge war das Wesen in etwa doppelt so groß wie er und besaß kleine Hörner.

Robert war zwischen Freude, recht zu haben und Angst wieder solch einem Wesen alleine im Wald zu begegnen hin und hergerissen. Die Gegenüberstellung fühlte sich wie eine Ewigkeit an, dabei waren es nur ein paar Sekunden.

Robert regte sich als erster, er hielt schützend sein Taschenmesser vor sich, das Wesen wich daraufhin etwas zurück. Es hob die Hände in die Luft und eine sanfte weibliche Stimme sprach zu Robert: “Bitte tu mir nichts!“. Robert war irritiert, er hatte etwas Bedrohliches erwartet wie beim letzten Mal.

Langsam senkte er sein Taschenmesser und fragte das Wesen was es hier im Wald suche. Sie zierte sich um eine Antwort und sagte schließlich, dass sie dies nicht verraten dürfte.

Robert verstand das nicht und begann der Frau zu erklären, dass er dem Dorfschutz in einem Mordfall helfen würde. Er führte fort, dass sie ihm helfen könnte, wenn sie ihm nur ein paar Fragen beantworten würde. Er merkte, dass die Frau zögerte.

Nach einem Moment antwortete sie ihm und erzählte Robert, dass in dem Wald einige Stierwesen lebten. Viele arbeiteten in handwerklichen Tätigkeiten in Tieftor. Wohnen würden sie aber hier im Wald. Die Gruppe lebte angeblich schon ewig im Wald. Robert lauschte den Erzählungen schweigsam, so etwas hatte er nicht vermutet. Er nickte als sie zu Ende erzählt hatte.

Anschließend fragte er ob sie ihn mit zu ihrer Gruppe nehmen würde. Er wollte den Mordfall aufklären. Die Frau zögerte. Dann sagte sie Robert, dass die Gruppe nur ungern Fremde in ihrem Zuhause willkommen hieß. Sie hatten in der letzten Zeit viele schlechte Erfahrungen damit gehabt.

Robert erwiderte, dass die meisten Spuren bisher zu ihnen führen würden. Er führte fort, dass er nur herausfinden wollte wer den Mord durchgeführt hatte. Ein Mörder sollte seiner gerechten Strafe zugeführt werden. Die Frau antwortete nicht sofort und dachte wohl nach. Robert steckte das Taschenmesser langsam weg, er hatte von ihr anscheinend keine Gefahr zu erwarten.

Auf einmal sah Robert schwarz. Sein Herzschlag beschleunigte sich. In nächsten Augenblick fühlte er wie seine Hände zusammen geschlungen wurden. Panik stieg in ihm hoch. Dann wurde er hochgehoben. Robert musste sich beruhigen, Panik würde ihm nichts bringen. Er bekam mit wie sich zwei Wesen fernab von ihm unterhielten. Eins davon war die Frau die vorher mit ihm sprach, die andere Stimme war tief. Von dem Gespräch selbst konnte er nichts verstehen. Die Stimmen verstummten und Robert fühlte wie sich, dass Wesen das ihn hochgehoben hatte anscheinend bewegte.

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