Kapitel 6: Der Teufel

Robert dröhnte der Kopf. Er blinzelte, sah aber nur weiß. Es dauerte ein wenig bis er wusste wo er sich befand. Er lag auf einem Sofa. Die Wände waren weiß, die Decke war weiß.

Robert seufzte und setzte sich langsam auf. Seine Beine schmerzten, anscheinend ein Riesenmuskelkater. Als er aufsaß schaute er sich um, an der Wand hingen Zertifikate und Auszeichnung. Es waren Dokumente von Bartolomäus.

Robert hörte schwere Schritte näherkommen. Ein Glas Wasser wurde ihm hingehalten. Robert nahm es dankend an und trank es in einem Zug leer. Er schaute auf und sah das Bartolomäus ihn musterte. Der große Mann ließ sich neben ihm nieder und fragte wie es Robert ginge. Dieser lächelte und sagte, dass er recht kaputt sei. Bartolomäus begann laut zu lachen, nach einem Augenblick fragte er jedoch was Robert in der Nacht vorhatte. Robert lehnte sich zurück.

Dann holte er das Tagebuch und den Brief hervor und begann über die Spielhalle zu erzählen, die Wohnung des Opfers und schließlich den Rückweg durch den Wald. Die Jagd verschwieg er jedoch.

Robert war froh sich jemandem mitteilen zu können. Er hoffte, dass der Arzt ihm neue Denkanstöße geben könnte. Denn er machte sich Gedanken was er mit den Hinweisen nun anfangen sollte. Ein Weg wäre es dem Dorfschutz die Hinweise zu zeigen und mit den Wächtern weitere Schritte zu überlegen. Robert äußerte diesen Gedanken und Bartolomäus stimmte zu, er sollte Wilhelm von Himmelsbach informieren. Ein erfahrener Wächter würde ihm bestimmt weiterhelfen können.

Robert redete noch etwas weiter und sprach seine Gedanken aus, Bartolomäus war ein guter Zuhörer. Hin und wieder nickte er oder gab ein zustimmendes Brummen. Als Robert zu Ende erzählt hatte fragte Bartolomäus warum er denn so panisch vor seiner Tür war. Robert überlegte kurz was er darauf Antworten sollte. Er entschied Bartolomäus nur zu sagen, dass er Angst im Wald bekommen hatte.

Der große Mann nickte darauf hin, Robert wusste nicht ob er ihm glaubte.

Der Arzt verschwand und kam kurze Zeit später mit einer Ampulle wieder. Er erläuterte Robert, dass dies ein gutes Mittel gegen Muskelkater sei.

Robert nahm die Ampulle dankend an und stand langsam auf. Seine Beine schmerzten und sofort trank er den Inhalt der Ampulle. Die Substanz schmeckte bitter-salzig.

Der Arzt lachte als Robert sein Gesicht verzog und erklärte ihm, dass es gemahlener Kalk mit Kreidestücken versetzt mit Halbmeerwasser sei. Das beruhigte Robert nur wenig, doch die Wirkung setzte schnell ein und er fühlte wie sich seine Muskulatur lockerte. Robert verabschiedete sich von Bartolomäus und verließ das Haus.

Die Sonne war schon hoch am Himmel und beleuchtete das ganze Dorf in einem freundlichen Licht. Dennoch war es eiskalt und Robert fröstelte. Bevor er den Dorfschutz aufsuchen würde, wollte er noch einmal zurück in den „rostigen Anker“. Eine warme Dusche und ein leckeres Mittagessen würden ihn wieder motivieren. Robert war müde und trottete langsam den Weg entlang.

Die Straßen wurden noch weiter geschmückt, der Höhepunkt des Winterfestes rückte näher. Bald kam der Wintertag und wenig später der Anfang eines neuen Jahres.

Robert betrat gedankenverloren den „rostigen Anker“. Alle Tische waren besetzt, also musste er woanders essen gehen. Darüber machte er sich jetzt allerdings keine Gedanken, erst später wenn er geduscht war.

Robert ging die Treppe nach oben und betrat sein Zimmer. Er stieg direkt unter die Dusche und genoss das heiße Nass sehr lange. Anschließend zog er frische Sachen an. Der Anzug des letzten Tages war schmutzig und er würde ihn reinigen lassen müssen. Er machte sich fertig, nahm seinen Mantel und verstaute darin das Tagebuch und den Brief. In der Dusche war ihm der „rotzige Oger“ wieder eingefallen. Somit verließ er den „rostigen Anker“.

Robert fühlte sich wesentlich fitter. Er freute sich dem Dorfschutz die neuen Hinweise präsentieren zu können und sein weiteres Vorhaben mit ihnen abzusprechen.

Während er den Weg beschritt schaute er sich die aufwendigen Dekorationen an. Robert ging Richtung Dorfeingang. Kurz vor dem Tor befand sich die Schenke. Robert trat ein und sah, dass es nur mäßig gefüllt war. Er setzte sich an den gleichen Platz an dem er auch neulich schon saß – der gnomgerechte Platz am Fenster.

Kurz darauf kam die bekannte Kellnerin – Violent Krieg. Er begrüßte sie und da er keine große Lust hatte in der Speisekarte zu suchen bat er sie um das Tagesmenü. Violent nickte und ging von Roberts Tisch weg, dieser schaute sich in der Schenke um. Es waren viele Menschen, einige Zwerge und zwei Stierwesen anwesend.

Robert ließ seinen Blick nach draußen schweifen. Gerade wurde zwischen zwei Hauswänden eine große Girlande mit Hirschgeweihen aufgehängt. Kleine Tannen wurden neben den Hauseingängen platziert. Robert wurde aus seinen Gedanken gerissen als Violent sein Mahl vor ihn stellte. Gebratene Orangenschalen, geschmückt mit panierten Holzstücken und einer Pilzbrandsoße waren hübsch auf dem Teller angerichtet. Dazu stellte ihm Violent einen Krug Honigbeerensaft hin. Robert begann mit Appetit zu essen, er mochte die Röstaromen.

Er aß schnell und war schon bald fertig. Als Bezahlung legte er einige Ziegenzähne auf seinen Platz. Robert brach auf und verließ den „rotzigen Oger“.

Er wusste nicht wo der Dorfschutz untergebracht war, daher steuerte er auf den Jahrmarkt zu. Dort wollte er nach dem Weg fragen, vielleicht war ja sogar der nette Ork da. Während Robert wieder den Weg zum Jahrmarkt beschritt begann es abermals zu schneien.

Er erreichte den Jahrmarkt konnte den Ork allerdings nicht ausfindig machen. Eine Wahrsagerin stand in der Nähe von Robert also schritt er auf sie zu. Sie schaute Robert interessiert an. Er fragte sie nach dem Weg, doch sie erwiderte nur „Der Teufel ist dir auf den Fersen!“. Robert seufzte, er mochte solche Spiele nicht. So wendete er sich von ihr ab. Als nächstes sprach er einen Zwerg an, der an einem Verkaufsstand sortierte. Der Zwerg nuschelte sehr und Robert vermutete, dass dieser schon ordentlich einen im Tee hatte. Trotzdem konnte er die Wegbeschreibung verstehen.

Er musste zurück zum Dorfeingang laufen und vor dem Tor links abbiegen. Das zweite Haus – ein Steinhaus – war die Zentrale des Dorfschutzes. Robert bedankte sich bei dem Zwerg und ging wieder Richtung Dorfeingang. Es schneite immer stärker und der Himmel war immer mehr von Wolken bedeckt. Er ging nicht sehr schnell, da er nicht wusste wie lange die Wirkung von der Ampulle des Arztes anhielt.

Er erreichte das Haus und zwischen den Holzhütten sah das Steinhaus wirklich edel aus. Robert klopfte einige Male an der Tür. Ein kleiner Dackel öffnete ihm die Tür und fragte ihn nach dem Grund seines Besuches. Robert sagte nur, dass er mit Wilhelm sprechen müsste. Der Dackel nickte und führte ihn in ein Büro. Wilhelm stand an seinem Schreibtisch und schaute sich ein Dokument an. Er schaute zu Robert als dieser das Büro betrat und grüßte ihn. Robert wollte schnell auf den Punkt kommen und bat sich Wilhelm das Buch und den Brief durchzulesen.

Er nahm sich einige Zeit das Buch zu überfliegen und den Brief zu lesen. Anschließend schaute er Robert stirnrunzelnd an. Er erklärte ihm, dass seine Schicht gleich beginnen würde und bat Robert daher mit ihm draußen zulaufen. Robert nickte und begleitete die Bulldogge nach draußen.

Langsam gingen er und Wilhelm neben einander her. Zuerst schwiegen sie, doch Robert brach das Eis und fragte Wilhelm nach Rat. Wilhelm erzählte viel von Dingen die Robert schon selbst eingefallen waren. Der Mörder war wahrscheinlich ein Schützer des Waldes, welcher Art natürlich noch unbekannt. Es musste jemand mit medizinischen Kenntnissen sein, da die Mordmethode sehr speziell war.

Die beiden erreichten den Jahrmarkt und redeten darüber, ob Wilhelm jemand bekannt war der zu so etwas fähig wäre. Wilhelm schüttelte langsam den Kopf. Nach einer Zeit begann er über ein Gerücht zu sprechen was er in den letzten Tagen des Öfteren aufgeschnappt habe.

Es handelte davon, dass einige Wesen die in der Nähe des Waldes lebten in den letzten Tagen Gestalten gesehen hätten. Robert schluckte, vielleicht hatte eine dieser Gestalten ihn in der Nacht verfolgt. Der Gnom fragte nach einer Beschreibung. Wilhelm erwiderte, dass er nur ungenaue Angaben hatte, meistens wurden sie als überdurchschnittlich groß beschrieben, manchmal auch mit funkelnden roten Augen. Panik stieg in Robert hoch, hatte ihn etwa in der letzten Nacht ein Mörder verfolgt?

Wilhelm fragte ob Robert eine Idee bezüglich der Zeichnung hätte die das Mordopfer in den Schnee gezeichnet hatte. Den Hinweis hatte Robert verdrängt, die Nachricht des Mordopfers. Ein Dreizack. Robert sammelte in seinem Kopf Ideen bezüglich eines Dreizacks. Ihm kamen einige Legenden über einen Meeresgott in den Sinn. Jedoch war die Idee abwegig, dass ein Fisch den Schimpansen getötet hätte.

Auf dem Jahrmarkt sah Robert die Wahrsagerin wieder. Schlagartig blieb er stehen, Wilhelm drehte sich zu ihm um und fragte ihn was los sei. Robert bekam die Frage von Wilhelm kaum mit.

Die Wahrsagerin hatte heute Morgen doch etwas von Teufel erzählt – „Der Teufel sei ihm auf den Fersen“. In einigen Sagen hatte doch der Teufel einen Dreizack dabei. Dann dazu diese roten Augen.

Robert begann zu grinsen, der Teufel na klar und als nächstes würde ein Engel Strafzettel verteilen.

Zur gleich Zeit in der Innenstadt von Hochgrund.

Der neue Engel beim jüngsten Gericht war für die Ordnungsabteilung tätig. Es war Maltaels erster Arbeitstag, er stand gerade vor einem Einhorn und musste einen Strafzettel ausstellen. Das Einhorn hatte die Parkzeit überschritten, so pinnte er dem Reittier den Strafzettel an sein Horn.

 

Robert berichtete seine Idee Wilhelm. Beide lachten darüber und sie wandten sich schnell anderen Ideen zu. Robert grübelte dennoch weiter darüber nach, vielleicht sollte er später eine Wahrsagerin besuchen. Mittlerweile waren die beiden mitten im Jahrmarktgetümmel.

Robert verabschiedete sich von Wilhelm, er wusste nun wo er ansetzen musste. Das nächste was er herauszufinden hatte war die Bedeutung des Dreizacks.

Robert schaute sich um, er war sich noch nicht sicher ob er sofort zu der Wahrsagerin gehen sollte. Beim umherschauen sah er wieder das Plakat des „Zirkus Hüfttrümmer“. Die Veranstaltung wollte Robert sowieso besuchen, daher begab er sich zu dem großen Zelt. Er hatte Glück, heute war eine Veranstaltung und sie begann sogar in kurzer Zeit. Vor dem Zelt stand ein sehr beleibter Zwerg und verlange von jedem Zuschauer einen Eintritt. Robert bezahlte und durfte eintreten.

Das Zelt bot viel Platz, mehr als es von außen schien. Etwa 100 Leute konnten hier Platz finden. Robert setzte sich in eine der mittleren Reihen. Als er saß, sah er wie ein Gnom durch die Reihen ging und kleine Snacks und Getränkepackungen anbot. Der Gnom war bald zu Robert angelangt und beide begrüßten sich freundlich, Gnome sah man nicht mehr allzu oft und beide freuten sich jemanden ihresgleichen zu sehen.

Robert kaufte dem Gnom einige Röstgräten und eine Packung Orkischer Beerensaft ab. Er gab dem Verkäufer auch ein ansehnliches Trinkgeld. Robert begann zu essen und schaute sich um.

Der Zirkus war gut gefüllt und es herrschte eine angenehme Geräuschkulisse. Robert musste noch etwas warten, einige Zeit später wurden Fackeln gelöscht. Dadurch wurde das Licht gedämpft.

Vorne ging ein Vorhang auf und ein großer Oger trat hervor. Dieser hieß alle Besucher willkommen und gab einen Ausblick auf das was die Besucher alles erwarten durften. Robert war glücklich nach dem letzten Tag sich einfach nur berieseln zu lassen. Er lehnte sich zurück und konzentrierte sich nur noch auf die Darstellung.

Die Vorstellung ging einige Stunden und war sehr kurzweilig.

Als Robert aus dem Zelt trat war es schon dunkel. Er machte sich auf den Heimweg und lies die Vorstellung noch einmal im Geiste passieren.

Er erschreckte sich wahnsinnig als sich eine Hand auf seine Schulter legte. Eine bekannte Stimme flüsterte ihm ins Ohr „Der Teufel ist gehörnt!“. Als sich Robert umdrehte war dort aber niemand.

Verwirrt schaute er sich eine Weile um. Die Wahrsagerin wollte ihm wohl einen Streich spielen. Robert ging weiter Richtung Herberge. Er war sehr müde und war heilfroh sich bald hinlegen zu können.

Die Wege waren nicht mehr belebt und Robert war nach kurzer Zeit vor der Herberge. Er trat ein, ein paar Wesen redeten noch am Tisch aber ansonsten war es leer. Der Gnom ging die Treppe hoch und verschwand in seinem Zimmer. Er machte sich fertig um zu Bett zu gehen. Aus irgendeinem Grund fühlte er sich unwohl, wahrscheinlich, weil er so müde war.

Robert legte sich hin, es dauerte ein wenig bis er einschlief. Er schlief unruhig. In seinem Traum sah er den Teufel, mit dem Dreizack und glühend roten Augen. Auf seinem Kopf waren Hörner zu sehen und er hatte ein tiefes kehliges Lachen.

Er stand vor dem toten Ralf Clüny und steckte sich eine Spritze in einen schwarzen Mantel. Dann drehte er sich um und verschwand in einem dunklen Nebel. Als nächstes träumte Robert wieder von seiner Jagd durch den Wald.

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