Kapitel 2: Aufregung am Morgen

Robert erwachte noch im Dunkeln. Eine große Rankenlaterne erhellte ein wenig den Raum. Er lauschte ob draußen etwas zu hören war, hörte aber nur wie der Wind wiederkehrend ein kurzes Pfeifen verursachte.

Robert entschied sich dazu aufzustehen, er wollte sich ein wenig die Beine vertreten. Somit erhob er sich aus dem Bett und stellte sich eine Weile an das Fenster. Das große Jahrmarktsfeuer brannte nur noch spärlich, eher war es ein glimmen. Nach einiger Zeit schlurfte er ins Bad und machte sich frisch. Eine große Dusche erwartete ihn und er genoss das Nass am frühen Morgen.  Nachdem er sich erfrischt hatte zog er sich neue Kleidung an, steckte sich einige Ziegenzähne ein und verließ das Zimmer.

Als er im Gang angekommen war schloss er ab und ging Richtung der Treppe. Der Gang war nicht beleuchtet und nur von der Treppe drang ein schwaches Licht her. Es herrschte komplette Still. Robert stieg die Treppen bis in den großen Herbergsbereich hinab. Auch hier war zu dieser frühen Stunde nichts los. Hinter dem Tresen hörte er ein wenig Geschirr klappern.

Robert setze sich an den Tresen und rief leise den Namen von Herrn Schorchel. Der Pinguin watschelte langsam zum Tresen und begrüßte seinen Gast. Robert fragte ob es noch zu früh für ein aufmunterndes Getränk wäre. Herr Schorchel machte sich sofort daran, dem Gnom ein Getränk zu zubereiten. Er erkundigte sich nach dem Befinden seines Gastes und freute sich zu hören, dass es ihm gut ergehe.  Nach kurzer Zeit servierte Herr Schorchel, Robert aufgebrühte Kokosmilch mit wildem Vipernspeichel. Robert kannte das Getränk aus der Stadt, jedoch wurde es dort nicht frisch zubereitet, sondern massentauglich vorproduziert. Es ist eines der besten Getränke um morgens wach zu werden.

Er schlürfte langsam an seinem Krug und spürte schnell, dass er sich kraftvoller und wacher fühlte. Wenig später hatte er den Krug leer getrunken und legte Herrn Schorchel einige Ziegenzähne auf den Tresen. Der Pinguin war wieder in dem Hinterraum verschwunden und man hörte wieder Geschirr klappern. Robert wünschte dem Pinguin frohes Schaffen und verließ die Herberge.

Draußen sog er die frische Luft ein. Erst jetzt fiel ihm auf, dass es immer noch am Schneien war. Über Nacht hatte sich eine beachtliche Schneedecke gebildet. Das störte Robert nicht, er wollte erst einmal über den leeren Jahrmarkt schlendern.

Einige Gassen neben dem Jahrmarktsgebiet befand sich eine Schenke die eine große Auswahl an Frühstück anbieten sollte. Sein Freund Uf schwärmte davon.

Er erzählte, dass es „Honigzucker mit gemahlenen Einhornhuf“ als „Brockenbrot“ Aufstrich gäbe. Dazu „gekochtes Schnabeltierfilet mit Quallengreifeln“. Während Robert darüber nachdachte erreichte er den Jahrmarkt.

Die meisten Stände waren geschlossen. Die Wahrsager hatten geöffnet, vereinzelt mit einigen Ständen an denen wieder vorbereitet wurde. Es war leer, so hatte Robert die Zeit sich alles in Ruhe anzuschauen. Ihm fiel ein großes Zelt auf, das zwischen zwei Hütten aufgebaut worden war.

Er sah ein riesiges Plakat auf dem „Zirkus Hüfttrümmer“ gedruckt war. Unter dem Schriftzug waren einige verschiedene Wesen abgebildet die in waghalsigen Posen zu sehen waren.  Robert sah, dass drei Mal in der Woche Vorstellungen stattfanden. Er wollte sich das Spektakel unbedingt anschauen.

Während er darüber nachdachte ließ er seinen Blick umherschweifen. Er sah in einer kleinen Gasse zwei Bulldoggen miteinander reden. Sie waren offensichtlich bei dem Dorfschutz. Auf ihrer Kleidung trugen sie das große Tor was als Wappen von Tieftor diente. Neugierig ging er auf sie zu. Als eine der Bulldoggen sah wie er sich ihnen näherte begrüßte diese Robert. Er teilte ihm mit, dass die Gasse ein Tatort ist. Robert erwiderte, er arbeite bei der Stadtwache in Hochgrund.

Der Gnom war aufgeregt und fragte sich ob er hier ein Abenteuer erleben sollte. Seine Arbeit selbst beruhte sich nur auf die Einteilung der Schichten der Wachen. Da Stadtangestellte meistens Urlaub hatten bekam er nicht viel über die Arbeit mit. Ein Tatort direkt am Jahrmarkt, dass fand er aufregend. Er wollte unbedingt seine Hilfe anbieten. Er sprach darüber mit der Bulldogge. Verschwieg jedoch, dass er lediglich in der Personalabteilung arbeitete. Die Bulldogge war über Hilfe erfreut, da sie während des Jahrmarktes die meisten Wächter anderweitig einsetzen mussten und stellte sich ihm als Wilhelm von Himmelsbach vor. Robert nannte seinen Namen, nun stellte sich auch die andere Bulldogge, als Daniel Oiterig vor.

Die beiden Bulldoggen führten ihn in die Gasse. Robert war nicht auf den Kopf gefallen, als er früher als Azubi jeden Tag arbeiten musste, hatte er sich einige Fallakten der Stadtwache durchgelesen. Er kannte das Verfahren in groben Zügen. Robert sah etwas auf dem Boden liegen. Also fragte Wilhelm, was mit dem Wesen dort vorne los sei. Wilhelm antwortete ihm, dass es sich um eine Leiche handelte. Genauer hätten sie jedoch noch nicht ermittelt. „Auch noch ein Mordfall!“ dachte sich Robert, „wie spannend!“.

Er näherte sich dem Leichnam. Der Körper lag auf dem Bauch, der Kopf etwas zur Seite gedreht. Es war ein Schimpanse. Sehr vornehm gekleidet. Er hatte einen Anzug an, im Schnee lag ein Zylinder. Auf einem Auge saß ein Monokel. Robert schaute sich weiter um, blickte auf den Schnee.

Es waren die Fußspuren des Schimpansen zu erkennen, die der Bulldoggen, seine eigenen und seltsame, recht große kreisrunde Fußspuren. Bestimmt dreimal oder viermal größer als die von Robert. Das merkwürdige war das es nur eine Spur von den runden Fußabdrücken gab. Also kein Weg weg oder etwa keinen Weg hin?

Robert grübelte vor sich hin. Als er seinen Blick durch den Schnee weiter gleiten ließ fiel ihm auf, dass der Tote seinen Zeigefinger im Schnee stecken hatte. Eine Art Dreizack war in den Schnee gezeichnet worden. Die Bulldoggen drehten den leblosen Körper auf den Rücken. Sofort waren Robert zwei blaue Flecke am Hals des Affen aufgefallen.

Woran der Schimpanse gestorben ist konnte er nicht auf den ersten Blick sehen. Robert fragte Wilhelm ob sie mit einem örtlichen Arzt zusammenarbeiten. Wilhelm sagte, dass Daniel und er selbst sich jetzt auf den Weg machen würden und den Leichnam zu dem Dorfarzt bringen würden. Robert ließ sich den Weg zu dem Arzt, den sie Dr. Fink nannten, beschreiben.

Er verabschiedete sich von den beiden, denn er wollte noch ein wenig zum Nachdenken umherlaufen. In diesem Moment knurrte sein der Magen. Das Ziel zu dem er laufen würde stand fest, langsam steuerte er den Weg zu der Schenke an. In seinem Kopf kreisten die Gedanken um das Geschehene.

Kurz traten Zweifel auf, ob er nicht zu leichtfertig seine Hilfe angeboten hätte. Immerhin hatte er keine Ausbildung im Bereich der Verbrechensbekämpfung und er ging davon aus, dass es ein Mord sei. Es wäre ungewöhnlich wenn ein Schimpanse einfach so mit zwei blauen Flecken am Hals umkippen würde. Robert versuchte sich auf die gegebenen Hinweise zu konzentrieren.

Sein Magenknurren brachte ihn jedoch immer wieder aus dem Konzept. Er beschleunigte sein Tempo und nach einigen Minuten sah er ein sehr modern aussehendes Gebäude.

Edles Holz bildeten die Mauern, das Dach war gedeckt mit Reet. Ein großes Holzschild war über der Tür angeschlagen, darauf stand mit großen Buchstaben „Ruderndes Gürteltier“. Robert schaute durch eines der Fenster herein und sah sogar einige freie Plätze.

Er trat ein und befand sich in einem Vorraum, hier konnte man sich sein Essen sofort bestellen und anschließend damit in den Speisesaal gehen. An der Wand war eine große Speisekarte und Robert las sich ein Gericht nach dem anderen durch. Er entschied sich für eine „Steinsuppe mit gerösteten Schildkrötenpanzerstücken“ und dazu ein wenig „Brockenbrot“.

Er bestellte seine Auswahl bei einem großen Oger. Dieser stellte ihm seine Sachen zusammen und sagte ihm im zweiten Speisesaal seien noch einige Plätze frei. Robert war überrascht, die Schenke sah von außen nicht so riesig aus, dass es hier zwei Speisesaale geben könnte.

Als er sich umschaute sah er jedoch ein Schild das ihm erklärte, dass der zweite Speisesaal unterirdisch sei. Er ging einige edle Marmortreppen hinunter und betrat den Speisesaal. Er war mit dämmrigen Lampen an den Wänden ausgeleuchtet, in der Mitte des Raumes stand eine Säule die auch mit Lampen bestückt war. Es waren ungefähr ein Dutzend Steintische mit zwei bis drei gepolsterten Holzstühlen drum herum. Robert suchte sich einen leeren Platz an der Wand und setzte sich.

Langsam begann er zu essen und grübelte währenddessen erneut über den Mordfall. Er stellte sich Fragen über Fragen. Was hatte die Zeichnung im Schnee zu bedeuten? Welches Wesen war für die runden Fußspuren im Schnee verantwortlich, Robert selbst kannte kein Wesen mit solchen Füßen. Wie war der Affe gestorben? Wer war der Schimpanse überhaupt?

Er hoffte, dass der von Wilhelm besagt Dr. Fink ein wenig Klarheit schaffen konnte. Erst jetzt fing Robert an Trauer für den Affen zu empfinden. Wie schrecklich es ist ein Wesen umzubringen, welche Gründe könnte es dafür geben? Robert seufzte. Während seinen Gedankengängen hatte er sein Essen komplett verspeist. Er blieb noch ein wenig sitzen, noch hatte er keine Motivation aufzustehen.

Doch nach kurzer Zeit bewegten die offenen Fragen Robert dazu sich zu erheben und wieder die Treppen hochzusteigen. Ihm fiel auf, dass es hier recht leer war. Er fand die Atmosphäre in dem Raum sehr schön und beschloss unbedingt hierhin zurück zu kehren. Als er oben war bezahlte er den Oger mit wenigen Ziegenzähnen und ging sofort hinaus.

Die nächste Haltestelle stand fest. Er musste Dr. Fink aufsuchen. Robert atmete noch einmal tief durch und begann auf den Hauptweg zuzusteuern.

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